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ratgeber11. Februar 20266 Min. Lesezeit

Ambulanzflug: Wie funktioniert eine fliegende Intensivstation?

Wenn ein schwer erkrankter oder verletzter Patient aus dem Ausland zurück nach Deutschland gebracht werden muss und sein Zustand keinen regulären Linienflug erlaubt, kommt das Flaggschiff der medizini

Ambulanzflug: Wie funktioniert eine fliegende Intensivstation?

Wenn ein schwer erkrankter oder verletzter Patient aus dem Ausland zurück nach Deutschland gebracht werden muss und sein Zustand keinen regulären Linienflug erlaubt, kommt das Flaggschiff der medizinischen Rückholung zum Einsatz: der Ambulanzflug. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff, und wie läuft ein solcher Transport tatsächlich ab?

Was ist ein Ambulanzflug?

Ein Ambulanzflug ist ein medizinischer Transport mit einem speziell für diesen Zweck ausgerüsteten Flugzeug. Im Gegensatz zu einem normalen Passagierflugzeug ist ein Ambulanzjet eine vollwertige Intensivstation in der Luft. Die Kabine ist mit modernster medizinischer Technik ausgestattet, die es ermöglicht, selbst schwerstkranke Patienten sicher über große Distanzen zu transportieren.

Typischerweise kommen Learjets, Cessna Citations oder ähnliche Business-Jets zum Einsatz, die für den medizinischen Betrieb umgerüstet wurden. Die Ausstattung umfasst in der Regel Beatmungsgeräte, Defibrillatoren, Infusionspumpen, Patientenmonitore, Absauggeräte und eine umfangreiche Notfallmedikation. Manche Ambulanzflugzeuge verfügen sogar über die Möglichkeit zur extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) – einer maschinellen Lungenunterstützung.

Das medizinische Team an Bord

An Bord eines Ambulanzfluges befindet sich immer ein spezialisiertes medizinisches Team. Die Zusammensetzung richtet sich nach dem Zustand des Patienten. In der Regel besteht das Team aus einem Notarzt oder Intensivmediziner mit Flugerfahrung und mindestens einem Rettungsassistenten oder einer Intensivpflegekraft.

Bei besonders kritischen Patienten kann das Team erweitert werden, beispielsweise um einen Anästhesisten, einen Kardiologen oder eine ECMO-Fachkraft. Das gesamte Personal muss nicht nur medizinisch hochqualifiziert sein, sondern auch mit den besonderen Bedingungen in der Flugmedizin vertraut sein.

Denn in der Luft gelten andere Regeln: Der veränderte Kabinendruck auf Reiseflughöhe – entspricht etwa dem Druck auf 2.400 Metern Höhe – kann den Zustand des Patienten beeinflussen. Gasansammlungen im Körper dehnen sich aus, der Sauerstoffpartialdruck sinkt. Erfahrene Flugmediziner berücksichtigen diese Faktoren und passen die Behandlung entsprechend an.

Der Ablauf eines Ambulanzfluges

Ein Ambulanzflug ist ein komplexes logistisches Unterfangen, das akribischer Planung bedarf. Der typische Ablauf gliedert sich in mehrere Phasen.

In der Planungsphase wird zunächst der medizinische Zustand des Patienten umfassend evaluiert. Unsere Ärzte stehen in engem Kontakt mit dem behandelnden Team vor Ort, sichten Befunde, Laborwerte und Bildgebung. Auf dieser Basis wird entschieden, welche Transportform geeignet ist, welches Equipment benötigt wird und welches medizinische Team den Flug begleiten soll. Gleichzeitig wird die Flugroute geplant, Überflugrechte eingeholt und gegebenenfalls Zwischenlandungen zum Auftanken organisiert.

Die Abholung vor Ort beginnt mit der Ankunft des medizinischen Teams am Einsatzort. Per Ambulanz wird der Patient vom Krankenhaus zum Flughafen transportiert. Die Übergabe zwischen dem lokalen Behandlungsteam und dem Transportteam folgt einem standardisierten Protokoll, um keine Informationen zu verlieren und die Behandlungskontinuität sicherzustellen.

Während des Fluges wird der Patient kontinuierlich überwacht. Alle Vitalparameter werden lückenlos dokumentiert. Das medizinische Team ist auf alle Eventualitäten vorbereitet und kann bei Bedarf sofort intervenieren. Die Kommunikation mit Bodenstationen und dem Zielkrankenhaus läuft parallel, sodass bei der Ankunft alles vorbereitet ist.

Nach der Landung wird der Patient per Ambulanz in die aufnehmende Klinik transportiert. Die Übergabe an das dortige Team erfolgt strukturiert und umfassend – inklusive aller Befunde, der Dokumentation des Transportverlaufs und der aktuellen Medikation.

Für wen ist ein Ambulanzflug geeignet?

Ein Ambulanzflug kommt immer dann in Frage, wenn der Patient aufgrund seines Zustands nicht auf einem regulären Linienflug transportiert werden kann. Typische Indikationen sind beatmungspflichtige Patienten, Patienten mit instabilen Frakturen (insbesondere Wirbelsäulenverletzungen), frische Herzinfarkt- oder Schlaganfallpatienten, schwere Verbrennungen, Patienten mit hohem Infektionsrisiko, die isoliert transportiert werden müssen, sowie neurochirurgische Notfälle.

Auch wenn der medizinische Zustand des Patienten grundsätzlich stabil ist, kann ein Ambulanzflug sinnvoll sein – etwa wenn die Flugdauer auf einem Linienflug mit Umsteigen zu lang wäre oder wenn eine durchgehende medizinische Überwachung gewünscht ist.

Technische Herausforderungen

Ambulanzflüge stellen besondere technische Anforderungen. Die medizinischen Geräte müssen luftfahrtzertifiziert sein und auch unter den Bedingungen eines Fluges – Vibrationen, Druckveränderungen, begrenzte Stromversorgung – zuverlässig funktionieren. Die Sauerstoffversorgung muss für den gesamten Flug sichergestellt sein, einschließlich ausreichender Reserven für Verzögerungen oder Umleitungen.

Die Piloten müssen auf besondere Anforderungen eingehen können: Wenn der Patient beispielsweise druckempfindlich ist (etwa nach einer Hirnoperation), muss auf einer niedrigeren Flughöhe geflogen werden – das erhöht den Treibstoffverbrauch und kann Zwischenlandungen nötig machen.

Der Unterschied macht sich bemerkbar

Ein professioneller Ambulanzflug unterscheidet sich grundlegend von improvisierten Lösungen. Die Kombination aus medizinischer Expertise, technischer Ausstattung und logistischer Erfahrung stellt sicher, dass der Patient zu jedem Zeitpunkt optimal versorgt ist. Für Angehörige bedeutet das die Gewissheit, dass ihr Familienmitglied in den besten Händen ist – vom Krankenbett im Ausland bis zur Aufnahme in der Heimatklinik.

Fazit

Ein Ambulanzflug ist die sicherste und umfassendste Form des medizinischen Rücktransports. Er ermöglicht es, selbst schwerstkranke Patienten über große Distanzen zu transportieren, ohne dass dabei Abstriche bei der medizinischen Versorgung gemacht werden müssen. Die Kosten sind entsprechend hoch – doch wenn es um Menschenleben geht, ist diese Investition unbezahlbar.

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