Es gibt Themen, über die niemand gerne nachdenkt – und doch ist es wichtig, darüber informiert zu sein. Wenn ein Angehöriger im Ausland verstirbt, stehen die Hinterbliebenen vor einer emotional extrem belastenden Situation, die gleichzeitig eine Vielzahl von organisatorischen und bürokratischen Herausforderungen mit sich bringt. Die Überführung eines Verstorbenen nach Deutschland ist ein komplexer Prozess, bei dem ein erfahrener Reiserückholdienst eine unschätzbare Hilfe sein kann.
Die ersten Schritte nach einem Todesfall im Ausland
Wenn ein deutscher Staatsangehöriger im Ausland verstirbt, sollten die Angehörigen zunächst die nächste deutsche Botschaft oder das nächste deutsche Konsulat informieren. Die konsularischen Vertretungen sind erfahren im Umgang mit Todesfällen und können bei vielen der notwendigen Formalitäten helfen.
Parallel dazu sollte die Auslandsreisekrankenversicherung bzw. der Reiserückholdienst kontaktiert werden. Viele Versicherungen decken auch die Überführung Verstorbener ab – allerdings nicht alle und nicht immer in vollem Umfang. Es ist daher wichtig, die Versicherungsbedingungen zu kennen.
Notwendige Dokumente und Formalitäten
Die bürokratischen Anforderungen bei einer Überführung sind erheblich. Zunächst muss ein Totenschein durch einen Arzt im Ausland ausgestellt werden. Anschließend ist eine Sterbeurkunde von den lokalen Behörden erforderlich. In vielen Ländern muss diese Urkunde legalisiert oder mit einer Apostille versehen werden, damit sie in Deutschland anerkannt wird.
Für die Überführung selbst werden weitere Dokumente benötigt: ein Leichenpass (auch „Laissez-passer mortuaire" genannt), der internationalen Standards entsprechen muss, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Gesundheitsbehörden des Reiselandes sowie eine Freigabe durch die zuständigen Behörden im Zielland. Die genauen Anforderungen variieren je nach Land und können in einigen Regionen besonders aufwendig sein.
Konservierung und Vorbereitung
Zwischen dem Todesfall und der tatsächlichen Überführung können je nach Land und Umständen mehrere Tage bis Wochen vergehen. In dieser Zeit muss der Verstorbene angemessen aufbewahrt werden. In den meisten Fällen wird eine Einbalsamierung durchgeführt, die den Transport über längere Zeiträume ermöglicht. Die Standards und Methoden der Einbalsamierung unterscheiden sich international, weshalb die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Partner vor Ort wichtig ist.
Für den Transport wird ein spezieller, luftdicht verschlossener Zinksarg verwendet, der in der Regel in einen Holzsarg eingelegt wird. Dieser Doppelsarg erfüllt die internationalen Transportvorschriften und stellt sicher, dass der Transport hygienisch einwandfrei erfolgt.
Der Transport
Die Überführung erfolgt in der Regel per Flugzeug im Frachtraum regulärer Linienflüge. Spezielle Frachtdienste für die Überführung Verstorbener sorgen für die korrekte Abwicklung am Abflug- und Ankunftsflughafen. Am Zielflughafen wird der Sarg von einem Bestattungsunternehmen in Empfang genommen und zum gewünschten Bestattungsort gebracht.
In Einzelfällen – etwa bei Überführungen innerhalb Europas – kann der Transport auch auf dem Landweg erfolgen, mit speziellen Überführungsfahrzeugen.
Kosten einer Überführung
Die Kosten für die Überführung eines Verstorbenen variieren stark je nach Herkunftsland, Entfernung und Umfang der erforderlichen Formalitäten. Als grobe Orientierung: Eine Überführung innerhalb Europas kostet typischerweise zwischen 3.000 und 8.000 Euro. Aus Übersee können Kosten von 8.000 bis 20.000 Euro und mehr anfallen.
In den Kosten enthalten sind in der Regel die Einbalsamierung und Einsargung, die Beschaffung aller notwendigen Dokumente, der Flugtransport, die Abwicklung am Zielflughafen und der Weitertransport zum Bestattungsort. Manche Auslandsreisekrankenversicherungen übernehmen einen Teil oder die gesamten Kosten der Überführung. Prüfen Sie Ihre Police, ob und in welchem Umfang diese Leistung eingeschlossen ist.
Alternative: Bestattung im Ausland
Eine Alternative zur Überführung ist die Bestattung im Reiseland oder die Einäscherung vor Ort mit anschließender Überführung der Urne. Die Überführung einer Urne ist deutlich einfacher und kostengünstiger als die eines Sarges. Allerdings müssen auch hier die rechtlichen Voraussetzungen des jeweiligen Landes beachtet werden.
Die Entscheidung für oder gegen eine Überführung ist zutiefst persönlich und hängt von den Wünschen des Verstorbenen, den Vorstellungen der Familie und auch von praktischen Erwägungen ab. Ein sensibler Reiserückholdienst berät die Angehörigen umfassend und respektvoll über alle Optionen.
Die Rolle des Reiserückholdienstes
Ein professioneller Reiserückholdienst übernimmt bei einer Überführung die komplette Organisation und entlastet die Angehörigen in einer Zeit, in der sie sich auf ihre Trauer konzentrieren sollten. Dazu gehört die Koordination mit den lokalen Behörden und Bestattungsunternehmen, die Beschaffung aller notwendigen Dokumente und Genehmigungen, die Organisation des Transports einschließlich Zoll- und Frachtabwicklung, die Kommunikation mit der Versicherung sowie die Abstimmung mit dem Bestattungsunternehmen in Deutschland.
Die Erfahrung und das internationale Netzwerk eines Reiserückholdienstes sind hier von unschätzbarem Wert. Was für Angehörige ein einmaliges, überwältigendes Ereignis ist, gehört für die Fachleute zum Berufsalltag – und diese Routine ermöglicht einen reibungslosen und würdevollen Ablauf.
Vorsorge: Was man zu Lebzeiten regeln kann
So unangenehm das Thema ist: Wer regelmäßig ins Ausland reist, sollte für den Fall der Fälle vorsorgen. Eine klare Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht erleichtern den Angehörigen im Ernstfall das Handeln. Auch der ausdrückliche Wunsch, im Todesfall nach Deutschland überführt zu werden, sollte schriftlich festgehalten werden. Und nicht zuletzt: Eine Auslandsreisekrankenversicherung, die auch die Überführung Verstorbener abdeckt, nimmt den Hinterbliebenen zumindest die finanzielle Last.
Fazit
Die Überführung eines Verstorbenen aus dem Ausland ist ein emotionaler und bürokratisch anspruchsvoller Prozess. Ein erfahrener Reiserückholdienst kann den Angehörigen in dieser schweren Zeit eine enorme Last abnehmen und für einen würdevollen, reibungslosen Ablauf sorgen. Denn auch der letzte Weg nach Hause verdient höchste Sorgfalt und Respekt.