Jedes Jahr werden tausende Deutsche aus dem Ausland medizinisch zurückgeholt. Die Gründe reichen von Skiunfällen über Herzinfarkte bis hin zu exotischen Infektionskrankheiten. Wir haben die zehn häufigsten Ursachen zusammengestellt – und erklären, was jeweils zu beachten ist.
1. Unfälle im Straßenverkehr
Verkehrsunfälle sind der häufigste Grund für Rücktransporte – und das in fast allen Reiseregionen. In Südostasien sind es vor allem Roller- und Motorradunfälle, in den Alpenländern Autounfälle bei winterlichen Straßenverhältnissen, in Nordafrika Unfälle aufgrund unterschiedlicher Verkehrskultur.
Die Verletzungsmuster reichen von Knochenbrüchen über Schädel-Hirn-Traumata bis hin zu schweren Polytraumata. Gerade bei Kopfverletzungen oder Wirbelsäulenverletzungen ist ein zeitnaher Rücktransport in ein spezialisiertes deutsches Zentrum oft entscheidend für den Behandlungserfolg.
Ein wichtiger Tipp: Tragen Sie im Ausland immer einen Helm, wenn Sie Zweirad fahren – auch wenn es vor Ort nicht vorgeschrieben ist. Und lassen Sie bei einem Unfall unbedingt eine polizeiliche Unfallaufnahme erstellen, da diese für die Versicherungsabwicklung wichtig sein kann.
2. Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere kardiovaskuläre Notfälle sind die zweithäufigste Ursache für Auslandsrückholungen. Die Kombination aus Reisestress, Klimawechsel, ungewohnter Ernährung und möglicherweise erhöhtem Alkoholkonsum kann bei vorbelasteten Patienten zum Auslöser werden.
Bei akuten Herz-Kreislauf-Ereignissen ist die Erstversorgung vor Ort entscheidend. Der Rücktransport erfolgt in der Regel erst nach der Stabilisierung des Patienten. Je nach Schwere des Falls kann ein Ambulanzflug mit kardiologischer Betreuung notwendig sein – oder, nach einigen Tagen der Stabilisierung, ein begleiteter Linienflug.
3. Sportunfälle
Ob Skifahren in Österreich, Tauchen in Ägypten, Surfen in Portugal oder Wandern in Nepal – sportliche Aktivitäten im Urlaub bergen erhöhte Unfallrisiken. Häufige Verletzungen sind Knochenbrüche, Bänderrisse, Schulter- und Knieverletzungen.
Besonders erwähnenswert sind Tauchunfälle mit Dekompressionskrankheit. Diese erfordern eine spezielle Behandlung in einer Druckkammer und stellen besondere Anforderungen an den Rücktransport, da der Kabinendruck im Flugzeug angepasst werden muss.
4. Magen-Darm-Erkrankungen
In tropischen und subtropischen Ländern gehören Magen-Darm-Infektionen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen für Reisende. In den meisten Fällen verlaufen diese unkompliziert und erfordern keinen Rücktransport. Doch schwere Verläufe – etwa bei Typhus, Cholera oder parasitären Infektionen – können eine stationäre Behandlung und gegebenenfalls einen Rücktransport notwendig machen.
Besonders für ältere Reisende und Menschen mit Vorerkrankungen kann eine schwere Durchfallerkrankung durch Dehydrierung schnell lebensbedrohlich werden.
5. Knochenbrüche und orthopädische Verletzungen
Oberschenkelhalsfrakturen bei älteren Reisenden, komplizierte Armbrüche nach Stürzen, Wirbelverletzungen – orthopädische Notfälle machen einen großen Teil der Rückholtransporte aus. Oft ist die chirurgische Erstversorgung vor Ort möglich, aber die weiterführende Behandlung und Rehabilitation wird besser in Deutschland durchgeführt.
Bei Wirbelsäulenverletzungen ist die Transportplanung besonders anspruchsvoll. Der Patient muss lückenlos stabilisiert und überwacht werden, und der Transport muss so schonend wie möglich erfolgen.
6. Infektionskrankheiten
Malaria, Dengue-Fieber, Zika-Virus oder auch schwere Lungenentzündungen können einen Rücktransport erforderlich machen – insbesondere wenn die Behandlungsmöglichkeiten vor Ort begrenzt sind. Bei hochansteckenden Erkrankungen müssen besondere Isolationsmaßnahmen während des Transports getroffen werden.
Prävention ist hier der beste Schutz: Reisemedizinische Beratung vor dem Urlaub, empfohlene Impfungen und konsequenter Mückenschutz in Risikogebieten können viele dieser Notfälle verhindern.
7. Schlaganfälle
Schlaganfälle treten oft ohne Vorwarnung auf und erfordern schnellstmögliche medizinische Versorgung. Die Erstbehandlung – idealerweise innerhalb weniger Stunden – ist entscheidend für die Prognose. Nach der Akutversorgung vor Ort empfiehlt sich oft ein zeitnaher Rücktransport, da die neurologische Rehabilitation in spezialisierten deutschen Kliniken auf höchstem Niveau stattfindet.
Ambulanzflüge bei Schlaganfallpatienten erfordern eine kontinuierliche neurologische Überwachung und ein Team mit entsprechender Expertise.
8. Vergiftungen und allergische Reaktionen
Lebensmittelvergiftungen, Tierbisse (Schlangen, Quallen, Spinnen) oder schwere allergische Reaktionen auf unbekannte Lebensmittel oder Insektenstiche können einen medizinischen Notfall auslösen. In vielen Reiseländern sind die nötigen Gegengifte (Antivenine) oder spezialisierten Behandlungsmöglichkeiten nicht verfügbar, was einen Rücktransport nötig macht.
Allergiker sollten vor Reiseantritt ihren Allergieausweis aktualisieren und stets ein Notfallset mit Antihistaminika und gegebenenfalls einem Adrenalin-Autoinjektor mitführen.
9. Psychische Erkrankungen
Auch psychiatrische Notfälle können einen Rücktransport erforderlich machen. Akute psychotische Episoden, schwere Angststörungen oder Suizidgefährdung erfordern eine spezialisierte Behandlung, die in vielen Reiseländern nicht in ausreichender Qualität verfügbar ist.
Der Transport psychiatrischer Patienten stellt besondere Anforderungen an das Begleitteam. Neben medizinischer Kompetenz sind hier vor allem Einfühlungsvermögen und Erfahrung im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen gefragt.
10. Komplikationen nach lokalen Behandlungen
Nicht selten entstehen Rücktransportsituationen erst durch Komplikationen nach einer Behandlung vor Ort. Postoperative Infektionen, nicht korrekt versorgte Brüche oder Komplikationen nach zahnmedizinischen Eingriffen im Ausland – die Palette ist breit. Medizintourismus, also die bewusste Reise ins Ausland für günstigere medizinische Eingriffe, kann ebenfalls zu Situationen führen, in denen ein Rücktransport nötig wird.
Fazit
Die Gründe für eine medizinische Rückholung sind so vielfältig wie das Reisen selbst. Viele dieser Notfälle lassen sich durch Prävention und Vorsicht vermeiden oder zumindest in ihrem Risiko minimieren. Doch ein Restrisiko bleibt immer – und genau dafür sollte man vorbereitet sein: mit einer guten Versicherung, einem Notfallplan und der Gewissheit, dass professionelle Hilfe nur einen Anruf entfernt ist.