Ein medizinischer Notfall im Ausland ist eine Stresssituation, in der man schnell den Überblick verlieren kann. Sprachbarrieren, unbekannte Gesundheitssysteme und die Sorge um die eigene Gesundheit oder die eines Angehörigen machen klares Denken schwer. Diese Schritt-für-Schritt-Checkliste hilft Ihnen, im Ernstfall die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Schritt 1: Ruhe bewahren und Erste Hilfe leisten
So banal es klingt: Der erste und wichtigste Schritt ist, Ruhe zu bewahren. Panik hilft niemandem und verschlechtert die Situation. Leisten Sie Erste Hilfe, soweit Sie dazu in der Lage sind, und rufen Sie den lokalen Rettungsdienst. Die Notrufnummern sollten Sie idealerweise vor Reiseantritt recherchieren – innerhalb der EU gilt einheitlich die 112.
Sorgen Sie dafür, dass der Patient in eine medizinische Einrichtung gebracht wird. In vielen Ländern ist die nächste Klinik nicht unbedingt die beste – wenn es die Situation erlaubt, erkundigen Sie sich bei Ihrem Hotel, der Reiseleitung oder der Botschaft nach empfehlenswerten Krankenhäusern.
Schritt 2: Versicherung kontaktieren
Sobald die akute Notfallversorgung sichergestellt ist, sollten Sie Ihre Auslandsreisekrankenversicherung kontaktieren. Die Notfallnummer finden Sie auf Ihrer Versicherungskarte – tragen Sie diese immer bei sich, idealerweise auch als Foto auf dem Smartphone.
Halten Sie folgende Informationen bereit: Ihren Namen und Ihre Versicherungsnummer, den genauen Aufenthaltsort und die Kontaktdaten des Krankenhauses, eine Beschreibung der Erkrankung oder Verletzung sowie die Kontaktdaten einer Angehörigen als Ansprechpartner. Die Versicherung wird Ihnen die nächsten Schritte erläutern und gegebenenfalls einen Reiserückholdienst beauftragen.
Schritt 3: Dokumente sichern
Dokumentation ist entscheidend – sowohl für die medizinische Versorgung als auch für die spätere Abrechnung mit der Versicherung. Lassen Sie sich alle Befunde, Röntgenbilder und Laborergebnisse aushändigen oder zumindest kopieren. Bewahren Sie sämtliche Rechnungen und Quittungen auf, auch für Nebenkosten wie Taxifahrten zum Krankenhaus oder Medikamente aus der Apotheke. Fotografieren Sie alle Dokumente als Sicherheitskopie.
Wenn möglich, bitten Sie um englischsprachige Dokumentation – das erleichtert die spätere Kommunikation erheblich.
Schritt 4: Angehörige informieren
Informieren Sie Ihre Angehörigen in der Heimat so früh wie möglich. Diese können von dort aus wichtige Aufgaben übernehmen, etwa die Kommunikation mit der Versicherung, die Organisation von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen oder die Vorbereitung der Ankunft im Heimatkrankenhaus.
Benennen Sie einen festen Ansprechpartner in der Familie, der als zentrale Kontaktstelle für alle Beteiligten fungiert – Versicherung, Rückholdienst, Arbeitgeber und weitere Familienmitglieder.
Schritt 5: Rücktransport evaluieren
Nicht jeder medizinische Notfall im Ausland erfordert einen sofortigen Rücktransport. In vielen Fällen kann die Behandlung vor Ort begonnen und der Rücktransport für einen späteren Zeitpunkt geplant werden, wenn der Patient stabilisiert ist.
Die Entscheidung über den richtigen Zeitpunkt und die beste Transportform sollte immer in Absprache mit den behandelnden Ärzten vor Ort und den Medizinern des Reiserückholdienstes getroffen werden. Dabei werden der aktuelle Gesundheitszustand, die Prognose, die Qualität der Versorgung vor Ort und die Transportfähigkeit des Patienten berücksichtigt.
Schritt 6: Den Transport vorbereiten
Wenn ein Rücktransport geplant ist, gibt es einige praktische Dinge zu erledigen. Klären Sie die Reisedokumente – Reisepass und Personalausweis sollten verfügbar sein. Bei bewusstlosen oder nicht geschäftsfähigen Patienten können Angehörige mit entsprechender Vollmacht handeln.
Informieren Sie das Hotel über den verlängerten Aufenthalt oder die vorzeitige Abreise. Klären Sie, ob Gepäck und persönliche Gegenstände separat transportiert werden müssen. Bei Reisen mit Mietwagen muss dessen Rückgabe organisiert werden.
Schritt 7: Nach der Rückkehr
Die Rückkehr nach Deutschland ist nicht das Ende des Prozesses. Stellen Sie sicher, dass eine nahtlose medizinische Weiterversorgung gewährleistet ist. Der behandelnde Arzt oder das aufnehmende Krankenhaus in Deutschland sollte alle Befunde und Behandlungsunterlagen aus dem Ausland erhalten.
Reichen Sie alle Belege und Unterlagen zeitnah bei Ihrer Versicherung ein. Die meisten Versicherungen haben Fristen für die Einreichung von Leistungsanträgen. Bewahren Sie Kopien aller eingereichten Dokumente auf.
Vorbereitung ist alles: Was Sie VOR der Reise tun sollten
Die beste Notfallvorbereitung beginnt vor dem Reiseantritt. Schließen Sie eine Auslandsreisekrankenversicherung ab, die einen Rücktransport bei „medizinischer Sinnhaftigkeit" abdeckt. Speichern Sie die Notfallnummern der Versicherung, der deutschen Botschaft und lokale Notrufnummern in Ihrem Handy. Nehmen Sie eine Kopie Ihres Impfausweises und eine Liste Ihrer Medikamente mit. Informieren Sie eine Vertrauensperson über Ihre Reisepläne und hinterlegen Sie bei ihr Kopien Ihrer wichtigsten Dokumente. Bei Vorerkrankungen sollten Sie einen aktuellen Arztbrief in englischer Sprache mitführen.
Fazit
Ein medizinischer Notfall im Ausland ist nie angenehm – aber mit der richtigen Vorbereitung und einem klaren Handlungsplan können Sie die Situation deutlich besser bewältigen. Die wichtigste Einzelmaßnahme bleibt der Abschluss einer guten Auslandsreisekrankenversicherung. Alles Weitere ergibt sich Schritt für Schritt.
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