Die Generation 60+ reist heute so viel und so weit wie keine Generation zuvor. Kreuzfahrten in der Karibik, Langzeiturlaub auf den Kanaren oder Rundreisen durch Asien – die Reiselust kennt kein Alter. Doch mit steigendem Alter wächst auch das Risiko für medizinische Zwischenfälle. Und eine Rückholung älterer Patienten stellt besondere Anforderungen, die sorgfältige Planung erfordern.
Warum Senioren häufiger betroffen sind
Statistisch gesehen sind ältere Reisende deutlich häufiger von medizinischen Notfällen im Ausland betroffen als jüngere. Die Gründe liegen auf der Hand: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und Stürze. Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder chronische Lungenerkrankungen können sich unter den Bedingungen einer Reise – Klimawechsel, Zeitverschiebung, ungewohnte Ernährung – verschlechtern.
Hinzu kommt, dass die Erholungsfähigkeit im Alter nachlässt. Was für einen 30-Jährigen ein unkomplizierter Oberschenkelbruch wäre, kann für einen 75-Jährigen eine lange Bettlägerigkeit und damit verbundene Komplikationen wie Thrombosen oder Lungenentzündungen nach sich ziehen.
Besondere medizinische Anforderungen
Die Rückholung älterer Patienten erfordert eine besonders sorgfältige medizinische Planung. Viele Senioren nehmen regelmäßig Medikamente ein – Blutverdünner, Herzmedikamente, Insulin. Die durchgängige Versorgung mit diesen Medikamenten muss während des gesamten Transports sichergestellt sein.
Die veränderte Physiologie älterer Menschen muss bei der Transportplanung berücksichtigt werden. Die Anpassungsfähigkeit an Druckveränderungen im Flugzeug ist oft reduziert, die Haut ist empfindlicher gegenüber Druckstellen bei längerer Liegezeit, und das Thromboserisiko ist erhöht – besonders bei Immobilisation. Ein erfahrenes medizinisches Team weiß um diese Besonderheiten und trifft entsprechende Vorkehrungen, von prophylaktischer Thrombosebehandlung bis hin zu spezieller Lagerung.
Demenzerkrankungen stellen eine zusätzliche Herausforderung dar. Patienten mit Demenz können durch die ungewohnte Umgebung und die Stresssituation stark verwirrt sein und unter erheblicher Angst leiden. Einfühlsames Personal, das Erfahrung im Umgang mit demenzkranken Patienten hat, ist hier unverzichtbar.
Versicherung: Worauf Senioren besonders achten müssen
Der Versicherungsmarkt für ältere Reisende hat einige Tücken. Viele günstige Standardpolicen für Auslandsreisekrankenversicherungen haben eine Altersgrenze – oft bei 65, 70 oder 75 Jahren. Wer älter ist, findet zwar durchaus noch Versicherungsschutz, muss aber oft höhere Prämien zahlen oder mit Einschränkungen leben.
Besonders kritisch ist der Umgang mit Vorerkrankungen. Einige Versicherungen schließen akute Verschlechterungen bestehender Erkrankungen generell aus. Für einen 72-Jährigen mit bekannter Herzerkrankung könnte das bedeuten, dass ein Herzinfarkt im Urlaub nicht versichert ist – eine Situation, die unbedingt vermieden werden sollte.
Unsere Empfehlung: Suchen Sie gezielt nach Versicherungen, die keine Altersgrenze haben oder spezielle Seniorentarife anbieten. Achten Sie darauf, dass Vorerkrankungen mitversichert sind, zumindest deren akute Verschlechterung. Und stellen Sie sicher, dass die Rücktransportklausel „medizinisch sinnvoll und vertretbar" lautet.
Langzeitaufenthalte: Ein Sonderfall
Viele Senioren verbringen mehrere Monate im Jahr im Ausland – die sogenannten „Überwinterer" auf den Kanaren oder in Südostasien. Für Langzeitaufenthalte gelten besondere Versicherungsregeln, da die meisten Standardpolicen nur für Reisen bis zu einer bestimmten Dauer gelten.
Für Aufenthalte von mehr als sechs bis acht Wochen benötigen Sie eine spezielle Langzeitversicherung. Diese ist teurer als eine Standardpolice, bietet aber den notwendigen Schutz für den gesamten Aufenthalt. Achten Sie auch hier auf die Rücktransportbedingungen und den Umgang mit Vorerkrankungen.
Praktische Tipps für die Reisevorbereitung
Vor Reiseantritt sollten ältere Reisende einen Gesundheitscheck beim Hausarzt durchführen lassen. Besprechen Sie Ihre Reisepläne mit Ihrem Arzt und lassen Sie sich eine Reisetauglichkeitsbescheinigung ausstellen, wenn Sie Vorerkrankungen haben.
Erstellen Sie ein aktuelles Medikamentenverzeichnis – idealerweise in Englisch – mit Wirkstoffnamen, Dosierungen und Einnahmezeiten. Nehmen Sie ausreichend Medikamente mit, plus einen Reserve für unerwartete Verlängerungen des Aufenthalts.
Tragen Sie einen Notfallausweis bei sich, der über Ihre Vorerkrankungen, Allergien, Medikamente und Blutgruppe informiert. Hinterlegen Sie bei Angehörigen eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung – im Ernstfall können diese Dokumente entscheidend sein.
Wählen Sie Ihr Reiseziel auch unter Gesundheitsaspekten: Ist eine gute medizinische Versorgung erreichbar? Wie sind die klimatischen Bedingungen? Gibt es deutschsprachige Ärzte vor Ort?
Die Rolle der Angehörigen
Für Angehörige älterer Reisender ist es wichtig, über die Reisepläne informiert zu sein und im Notfall handlungsfähig zu sein. Halten Sie die Versicherungsdaten, eine Kopie des Reisepasses und die Kontaktdaten der Botschaft griffbereit. Klären Sie vorab, wer im Ernstfall als Ansprechpartner fungiert und wer Entscheidungen treffen darf, falls der Reisende dazu nicht in der Lage ist.
Moderne Technologie kann helfen: Teilen Sie den Standort über Smartphone-Apps, vereinbaren Sie regelmäßige Anrufzeiten und stellen Sie sicher, dass der Reisende das Handy auch tatsächlich bedienen kann.
Fazit
Reisen im Alter ist wunderbar – und mit der richtigen Vorbereitung auch sicher. Die Investition in eine gute Versicherung, ein aktuelles Gesundheitscheck und eine durchdachte Notfallplanung sind die Voraussetzungen dafür, den Urlaub unbeschwert genießen zu können. Und sollte doch einmal etwas passieren, ist ein professioneller Reiserückholdienst da, um Sie sicher nach Hause zu bringen – mit der besonderen Sorgfalt und Erfahrung, die ältere Patienten verdienen.