Stellen Sie sich vor: Sie liegen mit einem Oberschenkelbruch in einem kleinen Krankenhaus irgendwo in Südostasien. Die medizinische Versorgung ist rudimentär, Ihre Familie ist tausende Kilometer entfernt, und Sie möchten nur eines – nach Hause. Genau in solchen Momenten wird ein Reiserückholdienst zum Rettungsanker.
Was genau macht ein Reiserückholdienst?
Ein Reiserückholdienst – auch als medizinischer Rücktransport oder Auslandsrückholung bezeichnet – organisiert den sicheren Transport von erkrankten oder verletzten Personen aus dem Ausland zurück in die Heimat. Dabei geht es nicht um einen einfachen Rückflug mit einer regulären Airline. Je nach Schwere der Erkrankung oder Verletzung kann ein Rücktransport hochkomplexe logistische und medizinische Planung erfordern.
Das Leistungsspektrum eines professionellen Reiserückholdienstes umfasst dabei weit mehr als nur den eigentlichen Transport. Es beginnt mit der medizinischen Ersteinschätzung vor Ort, geht über die Koordination mit lokalen Ärzten und Krankenhäusern, die Organisation des passenden Transportmittels bis hin zur lückenlosen medizinischen Betreuung während des gesamten Transports und der Übergabe an eine geeignete Klinik im Heimatland.
Welche Transportarten gibt es?
Je nach Zustand des Patienten kommen unterschiedliche Transportmittel und -formen zum Einsatz.
Der Ambulanzflug ist die intensivste Form des Rücktransports. Hierbei wird ein speziell ausgestattetes Ambulanzflugzeug eingesetzt, das quasi eine fliegende Intensivstation darstellt. Ärzte und Rettungssanitäter begleiten den Patienten während des gesamten Fluges. Diese Variante kommt bei schwer erkrankten oder intensivpflichtigen Patienten zum Einsatz und ist entsprechend kostenintensiv – Kosten von 50.000 bis über 150.000 Euro sind keine Seltenheit.
Beim Stretcher-Transport wird in einem regulären Linienflugzeug eine Liegefläche eingebaut. Der Patient wird von medizinischem Fachpersonal begleitet, kann den Flug aber nicht im Sitzen absolvieren. Diese Lösung ist deutlich günstiger als ein Ambulanzflug, setzt aber einen stabilen Gesundheitszustand voraus.
Die medizinische Flugbegleitung kommt dann zum Einsatz, wenn der Patient grundsätzlich sitzfähig ist, aber medizinische Überwachung während des Fluges benötigt. Ein Arzt oder Rettungssanitäter begleitet den Patienten auf einem regulären Linienflug.
In manchen Fällen reicht auch ein Rücktransport auf dem Landweg, etwa mit einem Intensivtransportwagen (ITW) oder einem Krankentransportwagen (KTW), wenn das Ziel innerhalb Europas liegt und die Entfernung überschaubar ist.
Wann wird ein Reiserückholdienst benötigt?
Die Gründe für eine Auslandsrückholung sind vielfältig. Die häufigsten Szenarien sind schwere Unfälle im Urlaub, etwa beim Skifahren, Motorradfahren oder Wassersport. Ebenso kommen akute Erkrankungen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder schwere Infektionen vor. Auch wenn die medizinische Versorgung vor Ort nicht den Standards entspricht, die für eine angemessene Behandlung notwendig wären, ist ein Rücktransport oft die beste Option.
Darüber hinaus spielen psychologische Faktoren eine wichtige Rolle. Die Genesung verläuft nachweislich schneller und besser, wenn Patienten sich in einer vertrauten Umgebung befinden, ihre Muttersprache sprechen können und von Familie und Freunden umgeben sind.
Wer trägt die Kosten?
Die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland übernimmt in der Regel keine Kosten für einen Rücktransport aus dem Ausland. Auch innerhalb der EU, wo die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) eine Grundversorgung sicherstellt, ist ein Rücktransport nicht abgedeckt.
Die Kosten für einen Reiserückholdienst werden in der Regel von einer Auslandsreisekrankenversicherung getragen. Deshalb ist es unbedingt ratsam, vor jeder Reise ins Ausland eine solche Versicherung abzuschließen. Wichtig ist dabei, auf die genauen Vertragsbedingungen zu achten: Manche Versicherungen zahlen nur, wenn der Rücktransport „medizinisch notwendig" ist, andere bereits wenn er „medizinisch sinnvoll" ist – ein entscheidender Unterschied.
Worauf sollte man bei der Auswahl achten?
Bei der Wahl eines Reiserückholdienstes sollten Sie auf mehrere Kriterien achten. Eine 24/7-Erreichbarkeit ist selbstverständlich unverzichtbar – medizinische Notfälle richten sich nicht nach Geschäftszeiten. Ebenso wichtig ist die Erfahrung und Qualifikation des medizinischen Personals sowie die Verfügbarkeit eines umfassenden Netzwerks an Partnerunternehmen weltweit.
Achten Sie darauf, dass der Anbieter alle Transportarten abdeckt und individuell die beste Lösung für Ihre Situation ermittelt. Transparente Kommunikation während des gesamten Prozesses – sowohl mit dem Patienten als auch mit den Angehörigen – ist ein weiteres Qualitätsmerkmal.
Fazit
Ein Reiserückholdienst ist eine Dienstleistung, die man hoffentlich nie braucht – aber wenn der Ernstfall eintritt, kann sie lebensrettend sein. Die Investition in eine gute Auslandsreisekrankenversicherung, die einen professionellen Rücktransport abdeckt, gehört zu den wichtigsten Reisevorbereitungen überhaupt. Denn im Notfall zählt jede Minute – und die Gewissheit, in guten Händen zu sein, ist unbezahlbar.